Fühlst du dich als Held wie Siegfried?

Ich fühle mich ganz und gar nicht wie ein Held. Das mit den Helden ist ja immer so eine Sache. Kürzlich fuhr ich mit dem Schiff in die Südsee. Da traf ich Reinhold Messner und der erzählte von Menschen, die die Antarktis durchquerten, wie zum Beispiel Jackelton, dessen Expedition scheiterte und der dann darum kämpfte sein Team zu retten. Er sprach von einem Mann, der durchs Eis lief und dabei Tagebuch führte und zwar so lange, bis ihm die Finger eingefroren waren und er nur noch im Stande war, sein Sterben zu beschreiben. Er wurde zu einem Helden. Dann gibt es Helden wie zum Beispiel Siegfried, der den Drachen tötete, in dessen Blut badete und dadurch unverwundbar wurde. Aber welche Herausforderung bleiben einem solchen Helden, der unverwundbar ist, mächtig, alles erreicht hat in seinem Leben?

Nach acht Jahren Nibelungenfestspiele mit Rinke und Hebbel wird nun erstmals eine Komödie aufgeführt und du spielst darin die Hauptrolle. Wie ist das für dich?

Dazu muss ich sagen, dass ich nicht die Hauptrolle spiele, sondern die Titelrolle. Die Hauptrolle ist Seefred (Mathias Schlung), er ist unterwegs nach Indien, ist Gewürzhändler und trifft auf einmal auf Brünhild von Isenstein und die glaubt, es ist Siegfried und so beginnt eine Verwechslung. Die ist erst dann aufgelöst, nachdem der echte Siegfried, also das Original die Bühne betritt. Und diesen Part habe ich gerne übernommen, weil es mir irrsinnig viel Spaß macht in Worms zu sein.

Du lebst jetzt auf Mallorca. Warum ausgerechnet auf der Ballermanninsel?

Mallorca ist mehr als nur Ballermann. Arenal und Playa de Palma sind ja nur ein kleiner Teil einer Insel, die so viel Schönheit bietet, wie ich sie auf meiner letzten Reise weder in Tahiti, Morea, Tonga oder Fidschi finden konnte. Zumal meine Freunde, allen voran Melina und ihr Lebenspartner Teti dort leben. Ich kann jederzeit mit dem Flugzeug überall hinfliegen und komme oft schneller voran als mit dem Zug in Deutschland von A nach B. Außerdem schaue ich jeden Tag aufs Meer und spüre wie gut es mir dort geht - in der Sonne.

Was hast du für berufliche Pläne?

Zur Zeit interessiert mich das Projekt "Hauptschul Power", wo Hauptschülern die Möglichkeit geboten wird, ihre Vorstellungen von einen guten Berufseinstieg zu verwirklichen. Auf meiner Homepage erfährst du mehr darüber. Beruflich stehe ich jetzt erst einmal in Worms auf der Bühne. Ab November werde ich dann sehr wahrscheinlich im Theater an der KÖ in Düsseldorf  "Die 39 Stufen" von Alfred Hitchcock wieder spielen, was ich bereits gemeinsam mit Dorkas Kiefer in Köln im Theater am Dom gespielt habe. Zwei Filmprojekte stehen an und wenn ich Glück habe, wird zumindest eines davon realisiert werden können. Diese Dreharbeiten würden im August 2010 beginnen. Ansonsten bin ich nach wie vor mit meiner Spoken Word Performance zu Goethes "Die Leiden des jungen Werther" unterwegs.

Foto R. Uhrig

Gespräch mit André


Du bist seit Anfang der Nibelungen-Festspiele dabei. Ist es für dich etwas Besonderes den Siegfried zu spielen?

Inzwischen ist es für mich etwas Besonderes bei den Nibelungenfestspielen überhaupt noch dabei zu sein, bei dem alljährlichen Wechsel der Ensemblemitglieder. Irgendwie empfinde ich mich mit den Festspielen ganz stark verbunden, auch weil sie in meiner Heimatstadt Worms stattfinden, und ob ich nun Giselher, den Burgwächter oder nun die Rolle des Siegfried übernehme, spielt dabei keine Rolle. Ich bin von Anfang an dabei und freue mich darüber, dass sie auch dank Dieter Wedel noch immer stattfinden. Wie sich die Stadt Worms und allen voran ihr Oberbürgermeister Michael Kissel für die Festspiele einsetzen und wie sie sie umsetzen ist einzigartig.